Arbeitsmedizinische Vorsorge bei beruflichen Reisen ins Ausland laut Arbeitsmedizinischer Vorsorgeverordnung

Wenn Unternehmen ihre Mitarbeiter ins Ausland schicken, müssen sie für viele Länder vorab das medizinische Risiko bewerten, dem ihre Mitarbeiter ausgesetzt sein werden. Tropische und subtropische Gebiete, aber auch andere Regionen der Welt erfordern arbeitsmedizinische Vorsorge vor der Abreise.

 

Die Länderlisten von International SOS geben Personalabteilungen und Betriebsärzten eine Orientierungshilfe. Die Länderliste zur arbeitsmedizinischen Vorsorge hat der weltweite Gesundheits- und Sicherheitsdienstleister nun um Hinweise zu Einreisebestimmungen betreffend einer Polio-Impfung ergänzt. Mit der neuen Kategorie können Unternehmen sich zusätzlich darüber informieren, in welchen Ländern spezifische Einreisevorschriften für Ihre Mitarbeiter hinsichtlich der Polio-Impfung beachtet werden müssen. Bisher enthielt die Liste Hinweise auf erforderliche (gesetzlich vorgeschriebene) arbeitsmedizinische Pflichtvorsorge (gem. ArbMedVV und G35), auf Gelbfieber-Impfpflicht und Malariaprophylaxe-Empfehlungen

Ebenso beinhaltet die Liste Informationen darüber, wie stark International SOS die Auswirkungen von COVID-19 auf den Geschäftsbetrieb in den Ländern einschätzt. (Domestic Operations Impact Scale). Bei den Bewertungen in Bezug auf COVID-19 wird zwischen einer „sehr niedrigen“ „niedrigen“, „mittleren“, „hohen“ und „sehr hohen“ Auswirkung auf den Geschäftsbetrieb unterschieden. Mehr zum COVID-19 Impact Scale finden Sie hier.


Arbeitsmedizinische Vorsorgeverordnung (ArbMedVV) schreibt arbeitsmedizinische Vorsorge bei beruflichen Reisen von Arbeitnehmern ins Ausland, und zwar für Länder der Tropen, der Subtropen und bei sonstigen Auslandsaufenthalten mit besonderen klimatischen Belastungen und Infektionsgefährdungen vor (§ 4 und Teil 4 des Anhangs).


Der Arbeitgeber hat nach Maßgabe des Anhangs die Pflichtvorsorge für die Beschäftigen zu veranlassen. Die arbeitsmedizinische Vorsorge für das Ausland muss vor Aufnahme der Tätigkeit und anschließend in regelmäßigen Abständen wiederholt werden. Der Arbeitgeber darf eine Tätigkeit nur ausüben lassen, wenn der/die Beschäftigte an der Vorsorge teilgenommen hat. 

Nähere Ausführungen werden in der Arbeitsmedizinischen Vorsorgeverordnung (ArbMedVV) nicht gemacht. Die Arbeitsmedizinische Regel AMR 6.6 gibt einige Hinweise zu Impfungen. Im alten arbeitsmedizinischen Grundsatz 35 (G35) der Berufsgenossenschaften wird ausgeführt, dass die Beratung vor dem Auslandsaufenthalt durch einen Arzt/Ärztin mit besonderen Fachkenntnissen über die besonderen klimatischen und gesundheitlichen Belastungen und über die ärztliche Versorgung am vorgesehenen Tätigkeitsort erfolgen muss. Die Berufsgenossenschaften haben hierzu Handlungsanleitungen erlassen. Einheitliche Vorgaben, für welche Länder eine arbeitsmedizinische Vorsorge für das Ausland gemäß ArbMedVV verpflichtend ansteht und welche Beratungs- und Untersuchungsangebote erforderlich sind, gibt es nicht. Einige Ausführungsempfehlungen befinden sich in der DGUV Information 240-350.

 

 

Arbeitsmedizinische Vorsorge: Ärztin untersucht Patientin

  

Länderliste Arbeitsmedizinische Vorsorge 

Experten der Deutschen Gesellschaft für Arbeitsmedizin und Umweltmedizin e.V. (DGAUM), der Deutschen Fachgesellschaft für Reisemedizin e.V. (DFR), des Instituts für Arbeitsmedizin der Universität Mainz und von International SOS haben auf Grund eigener Erfahrungen und Analysen eine Länderliste erarbeitet.

Die Liste beschreibt, in welchen Ländern arbeitsmedizinische Vorsorge für den Aufenthalt im Ausland sinnvoll erscheint. Sie zeigt ebenso den Beratungsumfang auf und 
welche Unterweisungssinhalte bzw. welcher Untersuchungsumfang unter Betrachtung des spezifischen Risikos sinnvoll ist. Ebenso enthalten sind Angaben zur Malariaprophylaxe und zur Gelbfieberimpfung.

Die Länderliste wird in Absprache mit Experten der Arbeitsmedizin, Reisemedizin und Tropenmedizin regelmäßig aktualisiert. Sie ist eine Richtschnur für die arbeitsmedizinische Vorsorge für das Ausland. 


Es werden 3 Gefährdungsgruppen unterschieden:

  • Gruppe 1 beinhaltet Länder, in denen Personen, die auch in Deutschland in vergleichbarer Tätigkeit arbeiten, eingesetzt werden können. Eine arbeitsmedizinische Pflichtvorsorge gemäß ArbMedVV ist in der Regel nicht erforderlich, kann aber nach aktueller Risikobewertung (Vorerkrankungen, entlegenes Einsatzgebiet etc.) ggf. erforderlich werden.
  • Gruppe 2 beinhaltet Länder, in denen auf Grund der klimatischen oder hygienischen Besonderheiten eine arbeitsmedizinische Pflichtvorsorge nach ArbMedVV vorgeschrieben ist. In der Regel sind keine Impfungen zwingend für die Einreise in das Land notwendig oder werden nur saisonal gefordert (aktuelle Risikobewertung erforderlich).
  • Gruppe 3 beinhaltet Länder in denen auf Grund der klimatischen oder hygienischen Besonderheiten eine arbeitsmedizinische Pflichtvorsorge nach ArbMedVV vorgeschrieben ist. Impfungen oder Prophylaxemaßnahmen insbesondere eine Gelbfieberimpfung sind ggf. zwingend für die Einreise in das Land vorgeschrieben oder dringend empfohlen.